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Artikel geändert am 19.12.05

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Abtreibung ist Mord !?

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Das "richtige" Weltbild?


Die Suche nach dem Weltbild ist eine lebenslange. Immer wieder tauchen Fragen auf, ungute Gefühle, immer wieder stellt sich die damit verbundene Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens. In Zeiten großer emotionaler Anspannung stellen sich diese Fragen verstärkt. Wenn ein nahestehender Mensch stribt zum Beispiel, oder wenn es eine desolate wirtschaftliche Lage einstellt, man arbeitslos wird, wenn man vor großen persönlichen Entscheidungen steht.

Im großen und ganzen findet man auf die vielen Fragen, die sich die Menschheit seit jeher stellt, zwei Antwortmöglichkeiten:

Die erste Antwort ist eine religiöse: Du als Mensch bist Teil einer höheren Idee, Dein Leben hat einen größeren Sinn als Du es momentan erfassen kannst, es wird nicht umsonst gelebt sein. Du bist wichtig, und zwar auch unabhängig davon, was Du aus Deinem Leben machst. Und am Ende steht das Versprechen einer großen Belohung, wenn Du diesem Weltbild folgst. Bemerkenswerter Weise gibt es keine einzige Religion, die für den Einzelnen unbefriedigende Aussichten bietet. Das allein stimmt nachdenklich.

Die zweite geht vom naturwissenschaftlichen Ansatz aus, der ganz nüchtern sagt, dass jeder Mensch eben nur einer von 7 Milliarden ist, das eigene Leben demzufolge vergleichsweise verschwindend unwichtig - es endet, wenn man Pech hat und nichts Besonderes draus machen kann - spurlos.

Wir haben also alle grob gesagt die Wahl zwischen einem unlogischen und einem unbefriedigenden Weltbild. Kein Mensch möchte sich ungeliebt, unwichtig und winzig klein fühlen müssen, aber es nötigt dem gesunden Menschenverstand auch einiges an Zugeständnis ab, das Gegenteil für faktisch real zu halten.
 
Dass die beiden Möglichkeiten nicht jeden lebenslang zufrieden stellen, hat zur Folge, dass sich immer mehr Menschen nach einer eigenen Lösung umsehen. Sie folgen nicht mehr strikt einer Lehre, sondern basteln sich ihr eigenes Weltbild - inklusive der Antwort auf die Frage nach dem Sinn ihres Lebens.

Das hat den positiven Effekt, dass das eigene Weltbild besser zum Einzelnen passt als eine schon vorhandene, "ewig und einzig wahre" Lehre, oder die Leere des an-nichts-glaubens. Es hat weiterhin den Vorteil, dass das eigene Weltbild anpassungsfähig wird, man kann es ändern, wenn sich die äußeren Umstände ändern, wenn man sich selber als Person verändert. Auch sind die Menschen gezwungen, mehr selbst zu suchen, zu formulieren, anzupassen, nachzudenken, wenn sie nicht eine fertige Lehre übernehmen.

Der Nachteil dessen ist, dass selbstgebastelte Antworten selbst keinen Halt von außen geben können. Unsichere Menschen oder Menschen in unsicheren Lebenslagen, die Halt suchen, werden den nicht finden, indem sie ihn sich selber bauen müssen. Denn dazu wiederum brauchen sie Bausteine und die Kraft und emotionale Sicherheit zum Bauen, die ohnehin schon fehlt.

Auch werden bei selbstgebastelten Weltbildern Elemente aus vielen verschiedenen philosophischen Richtungen kombiniert (hierzulande übernehmen beispielsweise viele Christen oft humanistische Elemente). Zum einen
fällt es damit immer schwerer, sich eindeutig zu einem Weltbild zu bekennen - denn wenn jemand sagt "ich bin Christ", verbinden die meisten damit etwas anderes als derjenige oft selbst vertritt. Andererseits verblassen die Gemeinsamkeiten, die ein Weltbild ursprünglich ja stiftet, vor dem Hintergrund der Unterschiede, und der Zusammenhalt zwischen Vertretern einer Gemeinschaft wird zunehmend in Frage gestellt.

Weltbildsuche als solche ist immer schwerer geworden. Natürlich kann man das nur vor dem Hintergrund sagen, dass jedem Menschen die Möglichkeit, sein Weltbild selbst zu bestimmen (=Religionsfreiheit) erstmal grundlegend garantiert ist. In Deutschland führt das zu einer Vielzahl von Kirchenaustritten jährlich, zu einer zunehmenden weitestgehend unroganisierten Säkularisierung und zu einer relativ deutlichen Orientierungslosigkeit, die auch Peter Hahne in seinem Buch beschreibt.

Hierzulande polarisiert sich im wesentlichen die christliche gegen die atheistische Grundhaltung, was leider immer wieder zu immensen Vorurteilen führt. Traurig, weil das gar nicht sein müsste: nie zuvor konnte man so offen seine Meinung vertreten und nie zuvor war der unkomplizierte Austausch von Informationen für jedermann so gut zugänglich. Und trotzdem stolpert man immer wieder über die Vorurteile:

"Ohne Gott gibt es keine Moral, Gottlosigkeit ist übel und führt ins Chaos... "

"Atheisten wenden mehr die Vernunft an. Wer vom Glauben weg kommt, verzeichnet also zwangsläufig einen Zuwachs an Vernunft. Atheismus ist vernünftiger, weil Atheisten keine unbewiesenen Behauptungen für wahr halten."

Der ganz grobe verallgemeinernde Fehler ist der, dass man sich beidseitig auf den *philosophischen* Wahrheitsanspruch beschränkt. Hier werden Weltbildfragen mit einer Zwangsläufigkeit an Verhaltensweisen geknüpft, die schlicht nicht vorhanden ist. Niemand kann belegen, dass Christen im täglichen Leben unvernünftiger sind als Atheisten, und umgekehrt. Die Unlogik und Unvernunft beschränkt sich bei Christen in den meisten Fällen auf ihr Weltbild. Das ist meiner Ansicht nach auf die eingangs erwähnte Diskrepanz zwischen der Möglichkeit zweier Weltbilder
zurück zu führen: dem unlogischen und dem unbefriedigenden.

Sicher ist es so, dass heutige Christen mit dem zunehmenden Fortschreiten wissenschaftlicher Erkenntnisse und dem skeptischen Denken und kritischen Hinterfragen mit mehr Widersprüchen im Weltbild leben müssen. Die kirchlichen Organisationen machen es ihnen dabei nicht leichter, im Gegenteil.

Falsch ist jedoch der Schluss, dass Atheisten wegen der Widerspruchsfreiheit im Weltbild generell ihren Verstand mehr gebrauchen, dass der Atheismus also "per se" das bessere Weltbild wäre. Das träfe doch nur dann zu, wenn der christliche Glaube negative Auswirkungen auf das tägliche Leben hat. Die meisten Christen hierzulande und heutzutage aber unterscheiden sich vernunftsmäßig in ihrem Alltag kaum bis gar nicht von einem Atheisten. Sie schließen nicht seltener Krankenversicherungen ab und bauen ihre Häuser auch nicht ohne Blitzableiter. Sie heiraten nicht auf Gottes Fingerzeig hin und sind in Führungsetagen ebenso oft anzutreffen wie Ungläubige. Sie sind weder die schlechteren Eltern noch richten sie ihre Tage nach einem göttlichen Horoskop aus.

Dass Atheisten also per se mehr Verstand haben, halte ich für völlig falsch. Sie denken nur auf *einem* Gebiet des Lebens rationaler, aber was dabei heraus kommt, ist überhaupt nicht zwingend *mehr Vernunft*, weder im Weltbild noch im Leben. Und auch dass Christen meist emotionaler sind, macht sie nicht automatisch zu besseren Menschen.

Aus dem Bekenntnis zu einem Weltbild auf den Menschen zu schließen halte ich für völlig ungerechtfertigt.

Woran muss sich denn nun die Güte eines Weltbild messen lassen?

Meiner Meinung nach gibt es da zwei Komponenten: die individuelle und die gesellschaftliche.

Der Mensch selber muss sich mit seinem Weltbild identifizieren können und daraus Kraft und Halt schöpfen können. Das wiederum äußert sich für Außenstehende nur in seinem Handeln. Mit welcher Motivation jemand sich aktiv für Ungeborene einsetzt, sich in der Hospizbewegung oder bei "Ärzte ohne Grenzen" engagiert, seinen Mitmenschen hilfreich, rücksichtsvoll und freundlich gegenüber tritt, ist letztlich zweitrangig - wichtig ist, "dass" er ethisch hochstehend handelt im Sinne eines konstruktiven Beitrages für die Gemeinschaft, und dass er mit sich selbst und seinem Leben im Einklang ist, sich mit dem Weltbild identifizieren und wohl fühlen kann.

Gesellschaftlich gesehen hat ein Weltbild eine ordnende Funktion. Es gibt jedem Menschen seinen Platz, macht jeden Teil eines (irdischen) großen Ganzen. Es schafft Hierarchien, die eine Gesellschaft braucht (oft auch zu viele und zu strenge...), schafft Orientierungshilfen, bietet Gemeinschaft an und gibt mit entsprechenden Ritualen und jährlichen Fixpunkten eine wichtige Orientierung für die meisten Menschen.

Meiner Meinung nach muss sich ein Weltbild auch daran messen lassen, wie es mit Schwächeren und Außenseitern umgeht, wie viele Menschen innerhalb der Gesellschaft davon "mit getragen" werden, ob es funktionieredne Sozialsysteme schafft. Eines, was vor allem auf Individualität setzt, wird nur die tragen, die auch damit gut aus sich selbst heraus zurecht kommen. Eines, was vor allem auf  normgerechtes Denken setzt, blockiert die Kreativität vieler und engt das eigene Denken zu stark ein.

Wie so oft finden wir uns wieder auf der Suche nach einer goldenen Mitte...


 

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  1. Gegen den Terror
  2. Unser New York heißt Erfurt
  3. Werte und die Jugend
  4. Schluss mit lustig


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